"Örtliche, historische und moralische Zurechtfindung"


Aktuelles / Chronologie 

                                                                

Beiträge auf dieser Seite:

22. April 2022, Acht neue Stolpersteine in der Bahnhofstrasse.

18. März 2022, Boris Romantschenko getötet, Holocaust-Überlebender

24. Februar 2022, Russland überfällt die Ukraine!

4. November 2021, Verweigerung des Privatanzeigenabdrucks zum Jahrestag

8. September 2021, Lindenbergplatz eingeweiht!

29. Juli 2021, Resümee, vorerst.

24. Juli 2021, Die Einwohner sollen entscheiden.

13./14. Juli 2021, Lindenbergplatz abgelehnt !

10. Juli 2021, Esther Bejarano ist gestorben!

Juli 2021, Lindenbergplatz in Sicht!

April/Mai 2021, Es tut sich etwas in BV

19. Februar 2021, Erinnerungskultur

01. November 2020, Initiative zur Umgestaltung der Kriegerdenkmäler

25. Juni 2020, Die ersten Stolpersteine sind in Bruchhausen-Vilsen verlegt.

08. Mai 1945/2020, 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges, medica mondiale

07. April 2020, Corona


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22. April 2022

Acht neue Stolpersteine wurden in der Bahnhofstrasse verlegt, begleitet von Schüler*innen der AG "Schule ohne Rassismus.

Es ist berührend, mit welchem Engagement die Schüler*innen sich an der Stolpersteinverlegung in Bruchhausen-Vilsen beteiligen.
Irritierend ist nur, dass, während die Kinder die Stolpersteine für die Opfer der Verbrechen ihrer Großelterngeneration verlegen, sich ihre Elterngeneration damit schwertut, einen Öl- und Gasboykott zu organisieren gegen die russischen Kriegsverbrecher, die gerade jetzt Frauen, Kinder und Männer in der Ukraine massakrieren.

Eine Milliarde hat Deutschland jetzt nach 2 Monaten der Ukraine für Waffen versprochen, 200 Millionen zahlen wir jeden Tag an Russland für Öl und Gas. D.h. ca 12 Milliarden Euro seit dem Kriegsbeginn.
Hatten einige unserer Politiker*innen unbewusst Schuldgefühle, wegen der Ermordung von 27 Millionen Sowjetbürger durch ihre Väter/Großväter im 2. WK, dass sie die heutigen Kriegsverbrecher und deren Vorbereitungen in den letzten Jahren, diesmal auf der anderen Seite, nicht erkennen konnten oder wollten? Immerhin waren unter den 27 Millionen auch 8 Millionen Ukrainer*innen!
Oder war einfach das Verlangen nach billigem Öl und Gas so groß, dass sie sich haben instrumentalisieren lassen?

Was macht dieses Zaudern und Zögern in der Unterstützung der Ukraine, dieser Widerspruch mit unseren Kindern?

Was ist eigentlich aus der offiziellen Benennung des „Lindenbergplatzes“ durch den Rat geworden, wollte sich da nicht die Elterngeneration drum kümmern? Wobei das eine Verantwortung aller Generationen sein sollte.

Die „Stolpersteinverlegungen“ in Europa werden wohl vorerst kein Ende finden.

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18. März 2022

„Nie wieder“… Boris Romantschenko
Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora teilt mit: Holocaust-Überlebender Romantschenko durch Angriff auf Charkiw getötet.
Er hat mehrere Konzentrationslager überlebt - und ist nun offenbar durch die russische Armee getötet worden.
Romantschenko, geboren 1926, war 1943 von den Nazis aus dem ukrainischen Sumy nach Düsseldorf zur Zwangsarbeit verschleppt worden und nach einem Fluchtversuch ins KZ gekommen. Der Stiftung zufolge hat er die KZs Buchenwald, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen überlebt. Nach dem Krieg habe er sich "intensiv für die Erinnerung an die NS-Verbrechen eingesetzt".

Er engagierte sich für die Gedenkarbeit in der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und Kommandos. Er wurde Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos für die Ukraine (IKBD). Am 12. April 2015 sprach er auf dem Appellplatz des KZ Buchenwald den Schwur von Buchenwald in russischer Sprache: „Наш идеал — построить новый мир мира и свободы“ („Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal“).

Am Freitag ist er bei einem Bombenangriff in Charkiw getötet worden. "Nach Mitteilung seiner Enkelin wohnte er in einem mehrstöckigen Gebäude, das von einem Geschoss getroffen wurde", schreibt die Stiftung.
(SZ vom 21.3.22)

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24. Februar 2022

Russland überfällt die Ukraine!

27 Jahre nach den Balkankriegen trägt Putins Russland den Krieg zurück nach Europa. Er hat die Ukraine überfallen mit der perfiden Lüge, sie zu "Entnazifizieren und Entmilitarisieren", weil den russischstämmigen Bewohnerinnen* im Donbass ein Genozid drohe.
Putin stellt nicht nur die Existenzberechtigung des Landes infrage, sondern auch den demokratisch frei gewählten Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der jüdische Wurzeln hat. Dabei bombardiert die russische Armee u.a. die Gedenkstätte Babi Jar in Kiew, wo die deutschen Nazis 1941 über 30 000 jüdische Ukrainer an zwei Tagen ermordet haben.
Er sieht sich als Phönix aus der UdSSR-Asche steigen und droht allen, die den Menschen in der Ukraine militärisch zu Hilfe kommen, mit dem Einsatz seines gesamten Waffenarsenals.                                           (weiter auf kriegerdenkmal.org)


Im völkerrechtlichen Vertrag (Memorandum) von Budapest 1994 verpflichten sich Russland, die Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien in drei getrennten Erklärungen jeweils gegenüber Kasachstan, Belarus und der Ukraine, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht, die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Länder (Art. 1) zu achten.

Neben der Aggression Putins steht das eklatante Versagen der westlichen Demokratien in der Bewertung der repressiven Vorgänge in und durch Russland, allen voran die deutschen Bundesregierungen der letzten 20 Jahre.

"Wandel durch Handel", war eine Illusion. Sie hat die ungerechten Strukturen stabilisiert, unsere Abhängigkeit vergrößert und diesen Krieg möglich gemacht. "Wandel durch Annäherung" war die Hoffnung auf Entspannung. Merkel war nicht Brandt.

Gerd Schröder, Altkanzler und sogenannter "Enkel" Willy Brandts, verzichtet eher auf die Ehrenbürgerschaft von Hannover, als auf den lukrativen Job als Chef des Aufsichtsrats bei Rosneft. Vlt. ist das seinem Leben auch zuträglicher, wer solche Tod-Freunde hat braucht keine Feinde mehr.

Aus Glaubwürdigkeit einen konsequenten Boykott durchsetzen, bevor daraus ein gänzlich moralischer Bankrott wird.

Stop Putin, Stop Trump!
Pest und Cholera, Kriegsverbrecher und Lügner,
Kronen eines weißen, maskulinen Patriarchats, mit radikal christlichem Hintergrund.
Beide stehen nicht für eine soziale, klimaneutrale und (gender)gerechte Demokratie.


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4. November 2021


80 Jahre

Ausgrenzung!

Am 7.11.1941 sind Margarethe und Emil Lindenberg

aus Bruchhausen-Vilsen

von der SA abgeholt worden, unter aktiver Mitwirkung ihrer Nachbarn.

„Initiative Lindenbergplatz“, Klaus-Peter Klauner


Diesen Text hätte ich gerne in der Kreiszeitung zum Jahrestag abdrucken lassen. Der Abdruck dieser Anzeige durch die Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG, Syke, wurde abgelehnt.


Nachfolgend mein Schreiben an den Verlag:


Sehr geehrte Frau Wedekind,  (Privatkunden-Service)                              Brühl, 4.11.21

nach unserem Telefongespräch, in dem Sie mir den Grund für die Nichtannahme der Anzeige mitteilten, nämlich dass der Halbsatz: „…unter aktiver Mitwirkung ihrer Nachbarn“ eine Annahme unmöglich mache, war ich doch ein wenig ratlos.

Das Argument in ihrer Anzeigen-Redaktion war, dass man die Aussage nicht überprüfen könne. Nun ja, das können Sie mit den anderen Inhalten darin auch nicht. Dafür stehe ich ja verantwortlich mit meinem Namen, es ist eine Aussage von mir.

Und ich wiederum habe diese Information der Stolpersteinseite BV und Ihrer Kreiszeitung entnommen. Am 13. Oktober 2021 schreibt Karin Niehaus-Schütt auf der BV-Seite: „Ein ehemaliger Vilser berichtete mir, er habe miterlebt, wie die Familie Lindenberg auf einen Wagen getrieben wurde und drei Söhne einer eingesessenen Familie mit Stöcken auf den Boden schlagend und laut schreiend hinter den Lindenbergs herliefen.“

Dass sie nicht nur auf den Boden geschlagen haben hat sie vielleicht weggelassen, weil es ihr wohl zu schrecklich erschien, diese Vorstellung.

Man muss sich einmal die Wohnsituation der beiden letzten jüdischen Mitbürger M. und E. Lindenberg am Engelbergplatz vorstellen. Eingezwängt zwischen linkerhand dem Ortsgruppenleiter Kuhlencord und rechterhand einer NS verblendeten Gastwirtsfamilie Meyer, deren Sohn Herrmann sich beim Abtransport mit einem Stock aktiv beteiligt hat.

Das alles ist bekannt, trotzdem habe ich keine Namen genannt, sondern von Nachbarn gesprochen.

Wie können wir die Nachfahren der entrechteten oder ermordeten Menschen um Vergebung bitten, wenn wir selbst heute nach 80 Jahren noch nicht einmal zu der Wahrheit stehen können? Wie sollten wir als Nachfahren aus der Tätergemeinschaft ihnen in die Augen schauen können, wenn wir die Erinnerungen an die Vorgänge, zu denen eben auch die Täter gehören, nicht zulassen?

Nach 79 Jahren hat man in BV endlich die Opfer wahrgenommen, indem man Stolpersteine verlegt hat. Wie lange braucht es wohl bis auch die Täter wahrgenommen werden? Oder sollte das schon der berühmte Schlussstrich sein, der offiziell immer wieder vehement verneint wird?

Dabei geht es nicht in erster Linie um Schuld, sondern um unsere Verantwortung wie wir heute mit den Erkenntnissen umgehen wollen. Auch zur Prophylaxe in der heute schon wieder in manchen Bevölkerungskreisen entstandenen „Rechtsdrehung“, nicht zuletzt mit dem Argument, dass es gar keine Täter gab, weshalb es auch keine Opfer geben könne und umgekehrt.

Dass das Nichterscheinen nicht nur ihr persönlicher Entschluss ist und dieses in der Anzeigenredaktion abgesprochen wurde, haben sie deutlich gemacht.

In einem zweiten Gespräch teilten Sie mir mit, wenn ich den Halbsatz rausnähme, dann könnte der Text unter Familienanzeigen aufgenommen werden.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mein Anliegen verständlich machen konnte und Sie werden verstehen, dass ich aufgrund der oben gemachten Ausführungen die Anzeige nicht verändern möchte.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus-Peter Klauner

PS: Es gibt zwei Internetseiten zu dem Thema: https://www.lindenbergplatz.de/ und https://stolpersteine-brv.org/engelbergplatz-3/engelbergplatz-3-familie-emil-lindenberg/

 

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8. September 2021

Lindenbergplatz eingeweiht!

Die "Initiative Lindenbergplatz" hat am Mittwoch, den 8. SEPTEMBER 2021, den Platz vor dem ehemaligen Stammsitz der jüdischen Familie Lindenberg symbolisch zum Lindenbergplatz erklärt und mit einem Flashmob eingeweiht.

Kunst wird politisch, übernimmt Verantwortung und fordert Politik.

Wi drept us up'n Lindenberplatz!

Nachfolgend der Redetext (Peter & Vera Henze) der Initiative zur symbolischen Platzbenennung:

„Der Platz, den wir benennen …“  

Freundinnen und Freunde, Bürgerinnen und Bürger aus unseren Gemeinden, ohne Corona ständen viele hier - die Regeln achtend, stehen wir heute – bitte mit Abstand - stellvertretend für viele. Weil die Zeit reif ist.

„indem wir hinfahren, hebt sich die Insel Utopia aus dem Meer des Möglichen“

Diese Worte des großen Hoffnungsträgers Ernst Bloch rufen uns auf diesen Platz, der seine Ehrbezeichnung begehrt, auf den Weg zur Utopie des Bekennens, der Versöhnung und des Friedens.

Wer bereitete die Welt für uns, nach den Schrecken mörderischer Kriege - es waren diejenigen unserer Väter und Mütter, Großmütter und -väter, die entgegen Verhinderung, Totschweigen und Widerstand mutig Hoffnung schufen.

Wer aber bereitete unser Land für uns schon längst bevor Rassenwahn regierte? Menschen vieler Nationen, Religionen und Kulturen waren es, die nunmehr nicht Erwünschten und Geduldeten: Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen, Gewerkschaftler unter ihnen, Menschen die mit und unter uns lebten wie die Frauen und Männer jüdischen Glaubens, jüdischer Kultur – ein Schatz unter Schätzen – alle gedacht für ein friedliches Miteinander.

So auch an diesem Platz, in diesem Ort: über 150 Jahre Leben und Wirken der Familien Lindenberg, beliebt und erfolgreich in unserer Gemeinde und beigetragen so zu Miteinander und Prosperität des Ortes. Von nazi-deutschem Irrsinn verfolgt und schließlich ermordet.

Nicht geht es um rächen oder vererben, um Versagen – doch sind wir die Nachgeborenen jener Unzeit. Und stellen uns in unsere Geschichte und Verantwortung und ehren – mit Bitten um Vergebung in Namen vieler – die einst hier ansässige Familie Lindenberg.

Wir zeigen uns demokratisch friedlich ungehorsam, da unsere Gewählten, der Rat, keinen Rat mehr weiß, keinen Mut mehr zeigt, keine Verantwortung bekennt, mehrheitlich keine Ehre erweisen will.

Unser Zorn darüber ist der Bruder der Liebe, mit der wir einen Schritt der Versöhnung, der Ehrerbietung voraus gehen jenen, die da meinen „die Zeit sei noch nicht reif“ in Erwartung, dass Einsicht reife auch bei jenen die so zögerlich.  

Wenige Tage nach dem Tod der ewigen Mahnerin Ester Bejanaro und angesichts 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland sagen wir nachdrücklich: Die Zeit zu bekennen und zu ehren ist überreif. Sie ist überreif in einer Zeit, da sich Ausgrenzung, Missachtung und Geringschätzung gegenüber allem was nicht normgerecht erscheint neuen Raum verschaffen will.

Dieser Platz sei ein Platz der Demut, des Bittens um und Gewährens von Verzeihung, ein Platz des Friedens und der Vielfalt, als stilles lautes Zeichen der Freundschaft gegenüber unseren jüdischen Mitbürger*innen und Mitbürgern, auch denen anderen Glaubens und auch all denen gegenüber die sich unter der Regenbogenfahne vereinen als Symbol für Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht in traditionellen Rollenbildern und Normen um Geschlecht, Sexualität, Religion und Kultur wiederfinden. Ein Platz so auch des Mutes gegen die eigene Verzagtheit und Angst vor öffentlichem Bekennen.

In Vertretung Vieler, benennen wir heute diesen Platz mit dem Namen Lindenberg. Es ist eine örtliche, historische und moralische Ehrung – in Erwartung und Forderung einer öffentlichen Würdigung und Ehrentafel, für die eine Geldspende längst schon angekündigt ist.

Dieser Platz trage fortan – in vielen Herzen ist es längst ja schon so – den Namen der Familie Lindenberg, denn „Juden haben die deutsche Geschichte mitgeschrieben und mitgeprägt, haben unsere Kultur zum Leuchten gebracht.“ Es sind unseres Bundespräsidenten Worte.

So schwer es manchem immer noch sein mag, sich aus Verirrung der Vergangenheit zu lösen, zu erkennen was geschehen – so sicher ist dies, und nur dies, der Weg zu Freiheit, Versöhnung und Frieden …. Und indem wir ihn hier vorausgehen   … erscheint die Insel Vision, die Vision einer Gemeinschaft in Vielfalt. Hier an diesen Ort.

Die Einladung „Scholem Aleichem“, die uns Sancho Sannemann überbrachte, dem jüdischen Gruß „Friede sei mit Euch“, ergänzen wir mit dem muslimischen „Salam aleikum“ und reichen die christliche Hand mit „Dona nobis pacem“, „Gib uns Frieden“.

Initiative Lindenbergplatz   08.09.2021

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29. Juli 2021

Resümee, vorerst.

Diese Seite sollte mit etwas Positivem beginnen. Am liebsten mit der Feststellung, dass der Platz vor dem ehemaligen Stammhaus   der Lindenbergs nach ihnen benannt wurde.

Noch ist es nicht soweit, noch sind die beharrenden Kräfte stärker. Aber ich bin sicher, dass dieser Platz eines Tages so heißen wird. Wenn wir das nicht in unserer Generation hinbekommen, dann in einer der nächsten. Die Auseinandersetzungen auf den Ratssitzungen im Juli 2021 zum Antrag der Grünen für einen Lindenbergplatz haben einen Eindruck davon vermittelt, dass etwas nicht weg ist, nur wenn man es tabuisiert. Nach jahrzehntelangem Schweigen kam das geradezu explosionsartig auf den Tisch. Da war alles wahrzunehmen, von Ignoranz und Abwehr, über Resignation bis hin zur Aggression, neben großem Unverständnis ob der Ablehnung durch SPD und CDU.

Es ist damit zu rechnen, dass jedweder Ausdruck zu diesem Thema auch das Wirken des Leids beinhaltet, dass die NS-Generation uns hinterlassen hat. Weshalb es so wichtig ist, dass endlich darüber gesprochen wird, dass sich mitgeteilt wird, dass sich zugehört wird und das nicht nur in Hinterzimmern. Manchmal bedarf es auch der Provokation, um die Menschen wach zu rütteln.

Ein Lichtblick in der Ratssitzung war das Verhalten des CDU-Ratspolitikers Werner Pankalla. Er hat sich von dem Engagement der Bevölkerung und seinen noch persönlichen Kindheitserinnerungen aus der NS-Zeit berühren lassen. Er hat seine Parteikolleg*innen und die der SPD dazu aufgerufen, dem Antrag der Grünen zuzustimmen und endlich den Platz nach der Familie Lindenberg zu benennen.

Er hat zugestimmt.

Hingegen hat ein SPD-Fraktionsmitglied und Ortshistoriker angefangen die Opfer des Holocaust zu hierarchisieren:

„ ... Hermann Hamann (SPD): Er lehnt, wie er sagte, eine neue Namensgebung nicht grundsätzlich ab. "Allerdings würdigen wir damit nur eine Familie und nicht alle Betroffenen", warf er ein. Ein Großteil der Familie Lindenberg habe die NS-Zeit überlebt. Dagegen sei die Familie Hanau aus Bruchhausen-Vilsen vollständig ausgelöscht worden. Hamann warf die Frage in den Raum, ob diese Menschen nicht eher gewürdigt werden sollten.“ (Presse: Weserkurier v. 15.7.21)

Dieser Mann hat, wie auch die Fraktionsführer der SPD und CDU, bis heute nicht verstanden, dass es bei dem Lindenbergplatz nicht um einen „NS-Opfer-Gedenk-Platz“ geht, sondern um die historische, örtliche und moralische Würdigung der ehemals beliebten und erfolgreichen Familie Lindenberg, die über 150 Jahre zur Prosperität des Ortes beigetragen hat. Und sich dieser Platz vor ihrem 1938 arisierten Wohn- und Geschäftshaus befindet.

Deshalb Lindenbergplatz!

Oder hat H. Hamann damit zusätzlich einen "Hanauplatz" ins Gespräch bringen wollen, schräg gegenüber Hustedt (Eisdiele), wo ebenfalls ein Platz auf seinen Namen wartet?

Hanaus waren bis Sommer 1938 im Besitz des heutigen Hustedt-Hauses, ehemals Falk und mussten dieses in der Arisierungszeit verkaufen, weil ihnen der Kredit gekündigt wurde. Die Spar- und Darlehnskasse übernahm es günstig für 7000 RM und verkaufte es für 11000RM weiter. (Stolpersteinseite, Bahnhofstrasse 36, Hanau)

Wie schrieb die Lokalredakteurin der Kreiszeitung Anne-Katrin Schwarze in einem ihrer Leidartikel vor der Ratssitzung: „Gleichwohl kann der Brühler den Broksern nun getrost das Feld überlassen. Denn das Andenken an die jüdische Geschichte liegt auch im Ort selbst in guten Händen.“

Ihr Wort in Gottes Ohr, wie man so schön sagt.

Vielleicht fehlt zunehmend das Erinnern an die NS-Täterschaft im Ort, an den Beginn der Ausgrenzung, die oftmals in den KZs im Holocaust endete. Die engstirnige patriarchale Mentalität der 30er Jahre, die die NS-Ideologie so sehr begrüßte und unterstützt hat und was davon in unsere heutige Generation weitergereicht wurde. Das könnte der jungen Generation Orientierung geben.

Max Czollek kritisiert: Die dritte Generation von Deutschen versuche die Erinnerung an den Holocaust immer stärker über eine Identifikation mit den Opfern herzustellen.

Man kann nur hoffen, dass alle zur Einsicht kommen und den Lindenbergplatz als Chance sehen für einen Neuanfang. So wie das Jürgen Schütt konstruktiv gesehen hat und hinzufügte: „ … der Lindenbergplatz fördert den Ruf des Fleckens und Luftkurortes als aufgeklärte Gemeinde“.

„Wi drept us up`n Lindenbergplatz in Broksen-Vilsen“, das ist Hoffnung und Chance zugleich.

KPK

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24. Juli 2021

"Die Einwohner sollen entscheiden, SPD schlägt Bürgerbefragung zum Lindenbergplatz vor", so der Titel in der Kreiszeitung vom 24.7.21.

Jetzt schlägt die SPD eine Bürgerbefragung vor, ohne einen begleitenden Prozess zu gestalten. Eben noch hat sie sich selber auf der Ratssitzung am 14.7. für informationsbedürftig erklärt und dann das.

Die Chance, sich lächerlich zu machen mit einer solchen Bürgerbefragung, ist groß, weil ohne umfassende Informationsbegleitung die Gefahr besteht, dass sich die Meinungen der Unbedarften, der Verdrängenden oder derjenigen mit entsprechender Gesinnung durchsetzen.

Wenn Politiker mit Recht feststellen, dass sie die gewählten Vertreter sind und die demokratische Entscheidung bei ihnen liegt, dann haben sie auch die Pflicht, sich zu informieren. Über 2 Jahre hatten sie Zeit, sich auch bei ihren engagierten Ortshistorikern aus der SPD zu informieren oder später auf die Stolpersteinseite zu schauen.

Auf der Ausschuss- und Ratssitzung vom 13./14. Juli, hat niemand aus dem Publikum den demokratischen Vorgang an sich in Frage gestellt, es war der Zweifel an der Kompetenz einiger Politiker*innen. Erfreulich war die Haltung des Bürgermeisters Lars Bierfischer auf der Ratssitzung, der von der Formalie der Fragestellung in der Einwohnerfragestunde absah und dem Unmut Raum gab. So wie das die Ausschußvorsitzende Nicole Reuter schon ein Tag zuvor getan hatte.

Vielleicht hätte es einer Moderation bedurft. Mich hat die Lautheit auf den beiden Ratssitzungen nicht erschreckt, ich habe sie mehr als Ausdruck der jahrzehntelangen generationsübergreifenden Sprachlosigkeit verstanden.

Es ist damit zu rechnen, dass jedweder Ausdruck zu diesem Thema, ob Abwehr, Resignation oder Aggression, auch das Wirken des Leids beinhaltet, dass die NS-Generation uns hinterlassen hat.

Ansonsten haben CDU und SPD für die Einwohner und Gäste keine gute Figur gemacht, weil es den Anschein erweckte, als wollten sie sich in eine Arbeitsgruppe retten, die dann irgendwann nach der Wahl zu einem Ergebnis kommen solle. Hauptsache keine Zustimmung zum Antrag der Grünen. Vielleicht wäre das Thema von Anfang an in einer zivilgesellschaftlichen Initiative besser aufgehoben gewesen.

Das Thema des Lindenbergplatzes droht zwischen die Stühle parteipolitischer Auseinandersetzung zu geraten und es kam mir so vor, dass der eine oder die andere Politikerin mit dem Thema überfordert ist.

Für eine Benennung des Lindenbergplatzes gibt es genügend Informationen, die Verknüpfung mit einer Gedenkstätte für NS-Opfer halte ich für ein falsches Signal.

Ein Lindenbergplatz verknüpft das örtliche, historische und moralische Andenken an eine erfolgreiche jüdische Kaufmanns- und Zahnarztfamilie. Sie hat über 150 Jahre dazu beigetragen, dass der Ort prosperierte. Man kann es nicht oft genug wiederholen.

Der Lindenbergplatz kann für einen Neuanfang stehen und sollte nicht politisch verhackstückt werden.

KPK

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13./14. Juli 2021

Lindenbergplatz abgelehnt,

eine schlechte und eine gute Nachricht!

CDU und SPD blieben bei ihrer anfänglichen Ablehnung des Antrags der Grünen für einen Lindenbergplatz. Eine für viele beschämende Ausschuss- und Ratssitzung.

Im überwältigenden Kontrast dazu eine große Unterstützung durch die Befürworter*innen im Publikum, die nicht mit Kritik zurückgehalten haben.

Das ist die gute Nachricht.

Das Gedenken und Erinnern an die jüdischen Bewohner*innen Vilsens ist lebendig geworden und nicht mehr wegzudenken oder auszugrenzen.

Peter und Vera Henze haben mit ihrem politischen und künstlerischen Statement die Veranstaltung auf ihre Weise belebt.

Die Befürchtung von Herrn Thöle (SPD), dass nach einer Platzbenennung keine weitere Aufarbeitung mehr stattfinden würde, macht einen ratlos. Gerade weil die SPD ja Interesse daran zeigt.

Mit dem Platz vor ihrem ehemaligen Stammhaus wäre die Familie Lindenberg zumindest dem Namen nach wieder ins Ortsleben integriert gewesen.

„Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

KPK

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10. Juli 2021

Heute Morgen ist Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren in Hamburg gestorben.

Esther Bejarano (geboren als Esther Loewy, 15. Dezember 1924 in Saarlouis) war eine deutsch-jüdische Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau. Mit Anita Lasker-Wallfisch und anderen spielte sie im Mädchenorchester von Auschwitz. (wiki)

"Ich verstehe euren Schmerz, ihr den meinen.

Wir leben, leiden und vor allem kämpfen wir zusammen.

Wir sind nicht nur Opfer, sondern wir sind auch Kämpfer gegen das Vergessen und gegen Rassismus". (E.B./ Auschwitz-Kommitee)

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Juli 2021

Lindenbergplatz in Sicht!

Wenn sich am 13. Juli 2021 der Ausschuss für Jugend und Soziales in BV zur Empfehlung für einen Lindenbergplatz aussprechen sollte, dann besteht die Möglichkeit, dass auf der Ratssitzung am 14. Juli 2021 der Platz vor dem Haus, nach der ehemaligen Besitzerfamilie Lindenberg benannt wird. Dessen letzte Besitzer (bis zur Arisierung 1938) in Theresienstadt ermordet worden sind.

Mit 2 Leserbriefen in der Kreiszeitung im Juni 2021 ist das Thema nochmal durchlüftet worden. (siehe Presseseite).

Gegner- und Befürworter*innen meldeten sich daraufhin mit weiteren Leserbriefen zu Wort.

In einem Brief wurde die Selbstverständlichkeit eines Platz- oder Straßennamens nach einer dort ehemals ansässigen jüdischen Familie deutlich benannt, wie das auch in den umliegenden Orten geschehen ist.

Damit wird die Familie in den Alltag der Gemeinde zurückgeholt, nicht nur als Opfer auf Stolpersteinen.

Es ging auch darum, ob ein gebürtiger BVer, der nicht mehr dort wohnt, sich zum Thema äußern dürfe.

Die Lokalreporterin der Kreiszeitung stellte zuvor abschließend fest: "Ihm (KPK) das Recht abzusprechen, sich zu einem lokalen Thema zu äußern, ist nicht nur bei dieser speziellen Thematik bedenklich."

Allerdings hat sie sich auch von ihrem Gefühl zu der Aussage hinreißen lassen, dass meine Texte „nicht selten zynisch“ wären. Gegen Gefühle kann man nicht argumentieren. Da möchte ich nur frei nach einem Zitat von Wolfram p Kastner, dem Münchner Aktionskünstler und väterlichen Unterstützer im Geiste entgegnen: Nicht ich bin zynisch, sondern die Verhältnisse sind es.

Wie 2019/2020, als man in BV die Absicht hatte, die Nachfahren der Familie Lindenberg am Platz vor ihrem ehemaligen Wohn-und Geschäftshaus an der Stolpersteinverlegung für ihre Vorfahren teilnehmen zu lassen. Der selbe Platz, der den Namen des Nutznießers der Arisierung erhalten sollte, vor ihrem Haus, das ihnen 1938 "entwendet" worden ist.

Vielleicht sollten wir uns alle mal locker machen und einen Perspektivwechsel zulassen. Und uns vor Augen führen, dass Emil Lindenberg das Stammhaus der Familie ohne Not niemals verkauft hätte.

Ohne die NS-Zeit wäre das Haus wohl auch heute noch im Besitz der Familie. Alle nachfolgenden Besitzer hatten einen Nutzen der Auswirkungen dieser Zeit. Daraus ergibt sich Verantwortung und der gilt es gerecht zu werden.

Der Lindenbergplatz vor dem "Lindenberghaus", so fühlt es sich richtig an.

Die kurioseste Feststellung in einem der Leserbriefe kam dabei von einem Ortsansässigen, der meinte, sein Vater wäre „zu keiner Zeit in die Nazivergangenheit direkt involviert gewesen, weil er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs seinen Lebensunterhalt unter härtesten Bedingungen in der (…) Landwirtschaft verdingen musste“.

Das klingt so, als hätte die Nazigegenwart damals nur bei den Nachbarn stattgefunden. Und Zwangsarbeiter*innen sind ihm bei seiner harten Landarbeit auch nicht begegnet.

Pimpfe, HJ und Reichsarbeitsdienst waren ideologischer Standard. Hinzu kamen die verschiedensten NS-Parteiorganisationen. Die Landbevölkerung war eine der wichtigsten Stützen Hitlers und der NSDAP, was sich auch in den Wahlergebnissen im Kreis Hoya und Syke deutlich abzeichnete. (siehe nachfolgende Texte)

Eine Suggestivfrage wurde ebenfalls in den medialen Raum gestellt: „Wohin würde das denn führen, wenn für jeden ehemaligen jüdischen Mitbürger eine Straße oder ein Platz benannt werden sollte?“

Bisher hat das in BV niemand gefordert, damit soll wohl populistisch Abwehr erzeugt werden.

Interessant ist auch, wenn am Ende solcher Formulierungen, die Äußernden sich als nicht antisemitisch bezeichnen. Wenn sich das nicht aus der Argumentation ergibt, dann hilft die Selbstbekundung da auch nicht weiter.

Das ist mittlerweile weit verbreitet.

Sollte inzwischen in Deutschland zum Thema Antisemitismus angekommen sein, was sich in den USA im Zusammenhang mit Rassismus schon vollzogen hat: Dass es viel schlimmer ist, als Antisemit bezeichnet zu werden, als einer zu sein?

Die Idee, für jede/n ehemalige/n jüdische/n Mitbürger*in eine Straße oder Platz zu benennen, ist an sich interessant, aber vlt. beginnt man erst mal mit dem „Lindenbergplatz“ und dann schaut man mal, wohin das führt.

Aber es muss auch gesagt werden, dass nicht jeder, der oder die sich gegen einen Lindenbergplatz ausspricht, deshalb per se antisemitisch ist.

Hier geht es um die historische, aber auch um eine moralische Entscheidung und was spräche unter diesen Gesichtspunkten gegen einen Lindenbergplatz, der deshalb nicht Bullenkampplatz heißen konnte?

Es geht nicht um "schlechtes Gewissen" und wiedergutmachen lässt sich das auch nicht, es geht um das Thema „Verantwortung der nachfolgenden Generationen“. Die können wir verdrängen oder wahrnehmen.

Die Familien Klauner und Mewes aus Bruchhausen-Vilsen (Bremen, Brühl) werden deshalb der Gemeinde eine Spende über 700 Euro zur Verfügung stellen. Für eine Infotafel auf dem Lindenbergplatz, zur Erinnerung an das Leben und Wirken der Familie Lindenberg in Bruchhausen-Vilsen.

Heimat ist immer auch da, wo man geboren ist und seine Wurzeln hat, das gilt nicht nur für die damalige Familie Lindenberg.

KPK

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April/Mai 2021

Es tut sich etwas in Bruchhausen-Vilsen!

Die "Bündnis 90/Grünen" haben sich von den Verzöger*innen im Rat abgesetzt und fordern die Benennung des Lindenbergplatzes jetzt anzugehen.

Ein erster Zeitzeuge Heinrich Hauptmann, Jahrgang 1937, meldet sich öffentlich in einem Leserbrief in der Kreiszeitung zu Wort.

Er weist auf die Verdienste der Familie Lindenberg für den Ort hin und fordert den Gemeinderat in einer appelativen Bitte auf, endlich den Platz nach der Familie Lindenberg zu benennen.

Weitere Leserbriefe im Weserkurier und der Kreiszeitung aus der Gemeinde folgen und fordern den Rat auf, den Platz nach der Familie Lindenberg zu benennen. Darunter der Arbeitskreis des VVV, hier in Auszügen:

„Die Benennung des Platzes nach der Familie Lindenberg ist schlüssig. Dafür bedarf es nicht der Einsetzung einer Arbeitsgruppe … . (…)

Die Verknüpfung einer Gedenkstätte für alle Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Platzbenennung ist abwegig, weil das Schicksal der Juden hinreichend erforscht und mithin bekannt ist. (…)

In der Bevölkerung dürfte der Wunsch nach dem Lindenbergplatz als logische Abrundung der Stolperstein-Aktion auf breite Zustimmung stoßen, und durch baldige Umsetzung dieses Vorhabens wäre es auch kein Wahlkampfthema mehr. (…)“

Soweit der Arbeitskreis: Dieter Borcherding, Wilfried Müller, Peter Schmidt-Bormann und Hermann Störing.

Ich bin froh, dass das Engagement Früchte trägt und sie sichtbar werden.

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Erinnerungskultur Februar 2021

Ein Jahr ist vergangen, seit der Rücknahme der Platzbenennung für den „Ariseur“ des Lindenbergschen Hauses in Bruchhausen-Vilsen. Niemand hat bisher Verantwortung für diese historische und moralische Gedankenlosigkeit der erst vor zwei Jahren vorgenommenen Namensgebung übernommen.                                                       Die Chance, es richtig gut zu machen und den Platz nach der dort ehemals ansässigen jüdischen Familie Lindenberg direkt umzubenennen, ist vertan worden. Die vollmundigen und auch trotzigen Bekundungen zum Lindenbergplatz sind längst verhallt.

Eine Bedingung nach der anderen wurde seither aufgestellt. Erst sollten die Stolpersteine in den Boden, so die Grünen, was jetzt 8 Monate her ist. Nun heißt es, erst müsse eine „Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus“ erstellt werden, bevor man sich mit dem „Lindenbergplatz“ befassen würde.

Ich frage mich manchmal, wenn ich mir die Vorgänge um diese Namensgebung anschaue, ob die Gemeinderatsmitglieder wirklich verstanden haben, welche Verantwortung sie da tragen. Sie scheinen kein Problem damit zu haben, dass "gefallene" Soldaten des 2. Weltkriegs, die den Holocaust in dem Ausmaße erst möglich gemacht haben, dort seit den 50er Jahren gewürdigt werden, aber ihre Opfer bis heute auf eine Platzbenennung warten müssen.

Hier sind die Bürger*innen des Ortes genauso gefragt wie ihre Ratsvertreter*innen.   

Aber es geht nicht nur um eine opferzentrierte Erinnerungspolitik, sondern auch um eine Aufarbeitung der Täterseite. Die Ergebnisse von MEMO III verdeutlichen erneut, dass in deutschen Familien vor allem Berichte über die Opfer- und Helferschaft der eigenen Vorfahren an die folgenden Generationen weitergegeben werden, während von Täterschaft nur selten berichtet wird. Nach der Studie glauben mittlerweile über die Hälfte der Befragten, dass ihre Familienangehörigen keine Mitläufer*innen waren, so manche sich sogar im Widerstand befunden hätten.

Zwei Drittel wissen nichts über die Geschichte ihres aktuellen Wohnortes während der NS-Zeit. Es gibt kaum noch Bezug zur Verstrickung der eigenen Familie und damit öffnen sich die Türen für antisemitische Gedankenlosigkeit und rechten Populismus.

In Bruchhausen-Vilsen haben Enkelkinder der ehemaligen Nazigrößen im Ort begonnen, der jüdischen Familien zu gedenken, aber wie steht es mit der Aufarbeitung der familiären Täteranteile? Sich dem zu öffnen, könnte Wegweiser für die junge Generation sein.                                                                                                           In der Rede des Bürgermeisters zur Stolpersteinverlegung, in der er bedauerte, dass keine Familienangehörigen der Beteiligten aufgrund der Corona-Pandemie anwesend sein konnten, beschreibt er die opferzentrierte Sichtweise. Man kann davon ausgehen, dass alle dort Anwesenden Familienangehörige von Beteiligten waren. Die NS-Zeit nur vom Ende her anzuschauen, mit den Stolperstein-Opfern, trägt nicht unbedingt zum Verständnis der Nationalsozialistischen Anfänge im Ort bei.

Dass jetzt jüdische Geschichte anhand der Stolpersteine in BV vermittelt werden soll, ist erfreulich, wenn auch eine längst überfällige Maßnahme, mit der die Vergangenheit beschrieben wird.                                                                                              Dass die Wahrnehmung des jüdischen Erbes nicht in Form der Platzbenennung erfolgt, erscheint wie eine Verdrängung in der Gegenwart.

KPK

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1. November 2020

Aus dem Engagement für den „Lindenbergplatz“ hat sich eine „Initiative zur Umgestaltung der Kriegerdenkmäler“ entwickelt.

kriegerdenkmal.org

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25. Juni 2020

Die ersten Stolpersteine sind in Bruchhausen-Vilsen verlegt.

Am „Lindenbergplatz“, an der Bahnhofstrasse 53, sind die Steine für Richard und Jenny Lindenberg verlegt worden. Allerdings nicht vor dem Hauseingang ihrer ehemaligen Heimstätte, wie sonst üblich. Eigentlich wollten sie hier in BV alt werden und auf dem Friedhof in Hoyerhagen ihre letzte Ruhestätte finden, neben seinen Eltern. Wie wir mittlerweile wissen ist es anders gekommen.

Was hier fehlt, sind die Stolpersteine der Familie Salomon. Es war immerhin ihre 1934 zuletzt gewählte Wohnung in BV. Auch ihr Schuhgeschäft haben sie hier weiterhin betrieben, trotz offiziellem Aufruf zum Boykott. Die Kunden nutzten die günstigen Preise des unter Verkaufsdruck geratenen Kaufmanns. Eingekauft wurde durch die Hintertür zur Kirche hin, wie eine Augenzeugin berichtet.

Ihre Wohnung in der Brautstraße wurde ihnen 1934 gekündigt, weil sie keine Miete mehr bezahlten. Mit Recht, denn die ebenfalls jüdische Besitzerin Clara Meyer, die mittlerweile in Stadtoldendorf lebte, ließ keine Reparaturen mehr an dem Haus vornehmen. Wahrscheinlich waren beide Seiten durch die NS-Realität in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Sie verkaufte an Otto Ernst und war damit gleich zwei Probleme los, das marode Haus und die Auseinandersetzung mit dem Mieter. Otto Ernst konnte nach dem Krieg vor dem WgA (Wiedergutmachungsamt) mit von ihm bezahlten umfangreichen Handwerkerleistungen glaubhaft machen, dass das Gebäude marode war, und dass er 1934 damit einen angemessenen Preis gezahlt hatte.

Salomons haben ihre letzte Heimstätte in BV an der Bahnhofstrasse verloren - im Haus von Emil Lindenberg - nachdem Heinrich Bullenkamp das Haus im Sept./Okt. 1938 „günstig“ erworben hatte. Ihnen wird gekündigt und sie ziehen nach Hoya.

Heinrich Bullenkamp stirbt 1946, sein Sohn Ferdinand wird Erbe, auch mit der Verantwortung um das Haus. Wird er dieser gerecht? Er schreibt Gertrud Gilbert, der Tochter und Erbin von Emil und Margarete Lindenberg und fordert sie 1949 auf, vor dem WgA in Verden auf eine Nachzahlung für das Haus zu verzichten. In dem Schreiben datiert er den Kauf um ein Jahr vor und mit der Höhe des Kaufpreises nimmt er es auch nicht so genau. Und das in einem Papier, das in seine WgA-Akte wandert. Der Mann hatte Chuzpe.

Kann man nur hoffen, dass der neue Besitzer die Verantwortung erkennt und „Ferdinand Bullenkamp“ nicht über der Familie Lindenberg thronen lässt, wenn auch nur als Namenszug auf dem ehemaligen Lindenberghaus, hoch über den Stolpersteinen am „Lindenbergplatz“.

Es geht um die Wahrnehmung der NS-Zeit, deren deutsche menschenverachtende Grundhaltung in der logischen Konsequenz des 2. WKs endete. Kein daran beteiligter Täter sollte geehrt werden, das muss Konsens sein.

Der Stolpersteintext für Gertrud Gilbert, geb. Lindenberg ist irritierend: „Mit Hilfe Flucht 1933 USA“, wenn man bedenkt, dass Gertrud 1935 zurückkehrte nach B.-V.!

Flüchten mussten 1933 die Sozialisten und Kommunisten. Die jüdische Bevölkerung musste erst noch aus den sozialen Strukturen herausgelöst werden. Durch Mobbing, wie man heute sagen würde, durch Gesetze und später durch körperliche Übergriffe. Die letzte "Warnung" zur Ausreise kam im November 1938.

Weiteres zu Gertrud im nachfolgenden Text in: SICH NEU ERINNERN.

Und was macht die Gemeinde, der Gemeinderat? Immerhin können sie stolz auf sich sein, haben sie doch die Stolpersteinverlegung unterstützt und die Benennung des "Bullenkampplatzes" zurückgenommen - jetzt könnten sie „reinen Tisch“ machen mit der braunen Vergangenheit von BV. Der „Lindenbergplatz“ bietet sich dafür an.

Die umfangreich recherchierten „Stolpersteine Bruchhausen-Vilsen“ sind unter dem Link http://stolpersteine-brv.org/ zu finden.

KPK

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8. Mai 1945/2020

75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges!

Das ist ein wichtiger Zeitpunkt, um an weitere schwere Menschenrechtsverletzungen dieses Krieges zu erinnern. Dazu zählten auch Vergewaltigungen von Millionen von Frauen. Die Täter waren ebenso Angehörige von Wehrmacht und SS auf deutscher Seite wie Soldaten der alliierten Streitkräfte.

Für medica mondiale ist dieser Jahrestag Anlass, mit der Kampagne „Niemals nur Geschichte. Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt“ auf die zahlreichen Kriegsvergewaltigungen aufmerksam zu machen.

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Corona                                                                                                               7. April 2020

Die Welt in der Krise.                                                                                            

Wer hätte gedacht, dass so ein winziges Teilchen alles durcheinander werfen wird.

Selbst das Wort Solidarität wird neu erinnert.

Welche Lehren werden aus dieser Krisenzeit später einmal gezogen?

Eins steht jetzt schon fest, unsere zunehmend geplanten Rüstungsankäufe und Rüstungsexporte sind nicht hilfreich ... für nichts.

2019 gaben alle Natoländer gemeinsam mehr als 1000 Milliarden Dollar für ihr Militär aus, das sind über 1000 Dollar pro Kopf. Deutschland allein 49,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 10%, Russland 65 Milliarden. (SIPRI)

(Aktuell, 24.2.22, Russland überfällt die Ukraine und droht sogar mit Atomwaffen. Keine westliche Hochrüstung hat Putin davon abgehalten.)

Wir verfolgen mit unseren finanziellen Ressourcen einen rücksichtslosen Aus- und Aufrüstungskurs, auch um unseren ökonomischen Einfluß abzusichern. Dabei geht es nicht um Gerechtigkeit. Um den Hunger in der Welt zu beseitigen, benötigte es lediglich einen Bruchteil davon, das ist lebensverachtend.

In  den Texten des sich erinnerns geht es um das Erinnern einer Zeit, in der die Verachtung des Lebens zum Ideal erhoben worden war.

Deutschland, Bruchhausen-Vilsen zwischen 1933 und 1945.

Klaus-Peter Klauner