"Örtliche, historische und moralische Zurechtfindung"


Aktuelles / Chronologie 

                                                                

Beiträge auf dieser Seite:


8. September 2021, Lindenbergplatz eingeweiht!

1. September 2021, Schindler`s Liste?

29. Juli 2021, Resümee, vorerst.

24. Juli 2021, Die Einwohner sollen entscheiden.

13./14. Juli 2021, Lindenbergplatz abgelehnt !

10. Juli 2021, Esther Bejarano ist gestorben!

Juli 2021, Lindenbergplatz in Sicht!

April/Mai 2021, Es tut sich etwas in BV

19. Februar 2021, Erinnerungskultur

01. November 2020, Initiative zur Umgestaltung der Kriegerdenkmäler

25. Juni 2020, Die ersten Stolpersteine sind in Bruchhausen-Vilsen verlegt.

08. Mai 1945/2020, 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges, medica mondiale

07. April 2020, Corona


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8. September 2021

Lindenbergplatz eingeweiht!

Die "Initiative Lindenbergplatz" hat am Mittwoch, den 8. SEPTEMBER 2021, den Platz vor dem ehemaligen Stammsitz der jüdischen Familie Lindenberg symbolisch zum Lindenbergplatz erklärt und mit einem Flashmob eingeweiht.

Kunst wird politisch, übernimmt Verantwortung und fordert Politik.

Wi drept us up'n Lindenberplatz!

Nachfolgend der Redetext (Peter & Vera Henze) der Initiative zur symbolischen Platzbenennung:

„Der Platz, den wir benennen …“  

Freundinnen und Freunde, Bürgerinnen und Bürger aus unseren Gemeinden, ohne Corona ständen viele hier - die Regeln achtend, stehen wir heute – bitte mit Abstand - stellvertretend für viele. Weil die Zeit reif ist.

„indem wir hinfahren, hebt sich die Insel Utopia aus dem Meer des Möglichen“

Diese Worte des großen Hoffnungsträgers Ernst Bloch rufen uns auf diesen Platz, der seine Ehrbezeichnung begehrt, auf den Weg zur Utopie des Bekennens, der Versöhnung und des Friedens.

Wer bereitete die Welt für uns, nach den Schrecken mörderischer Kriege - es waren diejenigen unserer Väter und Mütter, Großmütter und -väter, die entgegen Verhinderung, Totschweigen und Widerstand mutig Hoffnung schufen.

Wer aber bereitete unser Land für uns schon längst bevor Rassenwahn regierte? Menschen vieler Nationen, Religionen und Kulturen waren es, die nunmehr nicht Erwünschten und Geduldeten: Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen, Gewerkschaftler unter ihnen, Menschen die mit und unter uns lebten wie die Frauen und Männer jüdischen Glaubens, jüdischer Kultur – ein Schatz unter Schätzen – alle gedacht für ein friedliches Miteinander.

So auch an diesem Platz, in diesem Ort: über 150 Jahre Leben und Wirken der Familien Lindenberg, beliebt und erfolgreich in unserer Gemeinde und beigetragen so zu Miteinander und Prosperität des Ortes. Von nazi-deutschem Irrsinn verfolgt und schließlich ermordet.

Nicht geht es um rächen oder vererben, um Versagen – doch sind wir die Nachgeborenen jener Unzeit. Und stellen uns in unsere Geschichte und Verantwortung und ehren – mit Bitten um Vergebung in Namen vieler – die einst hier ansässige Familie Lindenberg.

Wir zeigen uns demokratisch friedlich ungehorsam, da unsere Gewählten, der Rat, keinen Rat mehr weiß, keinen Mut mehr zeigt, keine Verantwortung bekennt, mehrheitlich keine Ehre erweisen will.

Unser Zorn darüber ist der Bruder der Liebe, mit der wir einen Schritt der Versöhnung, der Ehrerbietung voraus gehen jenen, die da meinen „die Zeit sei noch nicht reif“ in Erwartung, dass Einsicht reife auch bei jenen die so zögerlich.  

Wenige Tage nach dem Tod der ewigen Mahnerin Ester Bejanaro und angesichts 1700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland sagen wir nachdrücklich: Die Zeit zu bekennen und zu ehren ist überreif. Sie ist überreif in einer Zeit, da sich Ausgrenzung, Missachtung und Geringschätzung gegenüber allem was nicht normgerecht erscheint neuen Raum verschaffen will.

Dieser Platz sei ein Platz der Demut, des Bittens um und Gewährens von Verzeihung, ein Platz des Friedens und der Vielfalt, als stilles lautes Zeichen der Freundschaft gegenüber unseren jüdischen Mitbürger*innen und Mitbürgern, auch denen anderen Glaubens und auch all denen gegenüber die sich unter der Regenbogenfahne vereinen als Symbol für Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht in traditionellen Rollenbildern und Normen um Geschlecht, Sexualität, Religion und Kultur wiederfinden. Ein Platz so auch des Mutes gegen die eigene Verzagtheit und Angst vor öffentlichem Bekennen.

In Vertretung Vieler, benennen wir heute diesen Platz mit dem Namen Lindenberg. Es ist eine örtliche, historische und moralische Ehrung – in Erwartung und Forderung einer öffentlichen Würdigung und Ehrentafel, für die eine Geldspende längst schon angekündigt ist.

Dieser Platz trage fortan – in vielen Herzen ist es längst ja schon so – den Namen der Familie Lindenberg, denn „Juden haben die deutsche Geschichte mitgeschrieben und mitgeprägt, haben unsere Kultur zum Leuchten gebracht.“ Es sind unseres Bundespräsidenten Worte.

So schwer es manchem immer noch sein mag, sich aus Verirrung der Vergangenheit zu lösen, zu erkennen was geschehen – so sicher ist dies, und nur dies, der Weg zu Freiheit, Versöhnung und Frieden …. Und indem wir ihn hier vorausgehen   … erscheint die Insel Vision, die Vision einer Gemeinschaft in Vielfalt. Hier an diesen Ort.

Die Einladung „Scholem Aleichem“, die uns Sancho Sannemann überbrachte, dem jüdischen Gruß „Friede sei mit Euch“, ergänzen wir mit dem muslimischen „Salam aleikum“ und reichen die christliche Hand mit „Dona nobis pacem“, „Gib uns Frieden“.

Initiative Lindenbergplatz   08.09.2021

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1. September 2021

Schindler`s Liste?

Wurde aus Schindler`s Liste Maas`s Liste, oder AA-Liste oder Liste der Bundesregierung, je nachdem wie weit man den Focus öffnet?

Oskar Schindler, deutscher Unternehmer und NSDAP-Mitglied, hat etwa 1200 Juden eigens in seinen Fabriken beschäftigt, um sie vor ihrer Deportation und Ermordung ins Vernichtungslager KZ Auschwitz-Birkenau zu bewahren. (Wikipedia)

Die Liste aktuell im Auswärtigen Amt sollte die Evakuierungsberechtigten festlegen, die von Kabul in Afghanistan bis zum 26.8. nach Deutschland ausgeflogen werden durften. Im Rahmen des fluchtartigen Abzugs der internationalen Militärs aus Afghanistan.

Schindler wollte die Juden retten, wohingegen mit der Liste im AA der Zuzug durch Afghan*innen eingeschränkt, begrenzt werden sollte.

Der entscheidende Unterschied: das AA, die Bundesregierung, konnte die Liste beliebig verlängern, je nach Auslegung der Berechtigung, Schindler konnte das nicht.

Merkel mit ihrem spontanen "Wir schaffen das " angesichts der Flüchtlings-Katastrophe 2015, hat sich diesmal schweigend weggedreht.

Während Außenminister Maas, jetzt nach Beendigung der Luftbrücke, durch die umliegenden Länder tourt und sich zwecks Aufnahme oder Durchreise eine Absage nach der anderen holt, spricht sich Innenminister Seehofer zu Hause gegen Zusagen für konkrete Kontingente aus.

Der Kollaps in Afghanistan macht deutlich, dass Selektion weiterhin nicht aus der Welt ist. Anfangs sollte verhindert werden, dass sich „2015“ mit der Fluchtbewegung im Wahljahr 2021 nicht wiederholt, weshalb der Begriff der Ortskräfte sehr eng gehalten wurde. Durch öffentliche Empörung ist das aufgeweicht worden.

Zum Ende blieb keine Zeit mehr, die gefährdeten Menschenrechtsaktivist*innen auszufliegen.  

Ob ähnliche Konsequenzen für die Zurückgebliebenen folgen werden, wie damals in den 30er Jahren des vorherigen Jahrhunderts für die jüdischen Menschen, werden die nächsten Wochen zeigen.

Die Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan, eine Partnerinorganisation der Frauenrechtsorganisation medica mondiale eV, haben die Gesetze Afghanistans, die Werte des Islams und der Menschenrechte, in die Tat umgesetzt, auch mit finanzieller Unterstützung durch das Auswärtiges Amt - sie wurden nicht gerettet.

Sie werden einem ungewissen Schicksal überlassen.

Das zwanzigjährige Lügengebäude einer internationalen militärischen Intervention stürzt in sich zusammen.

KPK

Gründungsmitglied medica mondiale e.V.

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29. Juli 2021

Resümee, vorerst.

Diese Seite sollte mit etwas Positivem beginnen. Am liebsten mit der Feststellung, dass der Platz vor dem ehemaligen Stammhaus   der Lindenbergs nach ihnen benannt wurde.

Noch ist es nicht soweit, noch sind die beharrenden Kräfte stärker. Aber ich bin sicher, dass dieser Platz eines Tages so heißen wird. Wenn wir das nicht in unserer Generation hinbekommen, dann in einer der nächsten. Die Auseinandersetzungen auf den Ratssitzungen im Juli 2021 zum Antrag der Grünen für einen Lindenbergplatz haben einen Eindruck davon vermittelt, dass etwas nicht weg ist, nur wenn man es tabuisiert. Nach jahrzehntelangem Schweigen kam das geradezu explosionsartig auf den Tisch. Da war alles wahrzunehmen, von Ignoranz und Abwehr, über Resignation bis hin zur Aggression, neben großem Unverständnis ob der Ablehnung durch SPD und CDU.

Es ist damit zu rechnen, dass jedweder Ausdruck zu diesem Thema auch das Wirken des Leids beinhaltet, dass die NS-Generation uns hinterlassen hat. Weshalb es so wichtig ist, dass endlich darüber gesprochen wird, dass sich mitgeteilt wird, dass sich zugehört wird und das nicht nur in Hinterzimmern. Manchmal bedarf es auch der Provokation, um die Menschen wach zu rütteln.

Ein Lichtblick in der Ratssitzung war das Verhalten des CDU-Ratspolitikers Werner Pankalla. Er hat sich von dem Engagement der Bevölkerung und seinen noch persönlichen Kindheitserinnerungen aus der NS-Zeit berühren lassen. Er hat seine Parteikolleg*innen und die der SPD dazu aufgerufen, dem Antrag der Grünen zuzustimmen und endlich den Platz nach der Familie Lindenberg zu benennen.

Er hat zugestimmt.

Hingegen hat ein SPD-Fraktionsmitglied und Ortshistoriker angefangen die Opfer des Holocaust zu hierarchisieren:

„ ... Hermann Hamann (SPD): Er lehnt, wie er sagte, eine neue Namensgebung nicht grundsätzlich ab. "Allerdings würdigen wir damit nur eine Familie und nicht alle Betroffenen", warf er ein. Ein Großteil der Familie Lindenberg habe die NS-Zeit überlebt. Dagegen sei die Familie Hanau aus Bruchhausen-Vilsen vollständig ausgelöscht worden. Hamann warf die Frage in den Raum, ob diese Menschen nicht eher gewürdigt werden sollten.“ (Presse: Weserkurier v. 15.7.21)

Dieser Mann hat, wie auch der Fraktionsführer der CDU, bis heute nicht verstanden, dass es bei dem Lindenbergplatz nicht um einen „NS-Opfer-Gedenk-Platz“ geht, sondern um die historische, örtliche und moralische Würdigung der ehemals beliebten und erfolgreichen Familie Lindenberg, die über 150 Jahre zur Prosperität des Ortes beigetragen hat. Und sich dieser Platz vor ihrem 1938 arisierten Wohn- und Geschäftshaus befindet.

Deshalb Lindenbergplatz!

Oder hat Herr Hamann damit zusätzlich einen "Hanauplatz" ins Gespräch bringen wollen, wahrscheinlich schräg gegenüber Hustedt (Eisdiele), wo ebenfalls ein Platz auf seinen Namen wartet?

Hanaus waren bis Sommer 1938 im Besitz des heutigen Hustedt-Hauses, ehemals Falk und mussten dieses in der Arisierungszeit verkaufen, weil ihnen der Kredit gekündigt wurde. Die Spar- und Darlehnskasse übernahm es günstig für 7000 RM und verkaufte es für 11000RM weiter. (Stolpersteinseite, Bahnhofstrasse 36, Hanau)

Wie schrieb die Lokalredakteurin der Kreiszeitung Anne-Katrin Schwarze in einem ihrer Leidartikel vor der Ratssitzung: „Gleichwohl kann der Brühler den Broksern nun getrost das Feld überlassen. Denn das Andenken an die jüdische Geschichte liegt auch im Ort selbst in guten Händen.“

Ihr Wort in Gottes Ohr, wie man so schön sagt.

Vielleicht fehlt zunehmend das Erinnern an die NS-Täterschaft im Ort, an den Beginn der Ausgrenzung, die oftmals in den KZs im Holocaust endete. Die engstirnige patriarchale Mentalität der 30er Jahre, die die NS-Ideologie so sehr begrüßte und unterstützt hat und was davon in unsere heutige Generation weitergereicht wurde. Das könnte der jungen Generation Orientierung geben.

Max Czollek kritisiert: Die dritte Generation von Deutschen versuche die Erinnerung an den Holocaust immer stärker über eine Identifikation mit den Opfern herzustellen.

Man kann nur hoffen, dass alle zur Einsicht kommen und den Lindenbergplatz als Chance sehen für einen Neuanfang. So wie das Jürgen Schütt konstruktiv gesehen hat und hinzufügte: „ … der Lindenbergplatz fördert den Ruf des Fleckens und Luftkurortes als aufgeklärte Gemeinde“.

„Wi drept us up`n Lindenbergplatz in Broksen-Vilsen“, das ist Hoffnung und Chance zugleich.

KPK

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24. Juli 2021

"Die Einwohner sollen entscheiden, SPD schlägt Bürgerbefragung zum Lindenbergplatz vor", so der Titel in der Kreiszeitung vom 24.7.21.

Jetzt schlägt die SPD eine Bürgerbefragung vor, ohne einen begleitenden Prozess zu gestalten. Eben noch hat sie sich selber auf der Ratssitzung am 14.7. für informationsbedürftig erklärt und dann das.

Die Chance, sich lächerlich zu machen mit einer solchen Bürgerbefragung, ist groß, weil ohne umfassende Informationsbegleitung die Gefahr besteht, dass sich die Meinungen der Unbedarften, der Verdrängenden oder derjenigen mit entsprechender Gesinnung durchsetzen.

Wenn Politiker mit Recht feststellen, dass sie die gewählten Vertreter sind und die demokratische Entscheidung bei ihnen liegt, dann haben sie auch die Pflicht, sich zu informieren. Über 2 Jahre hatten sie Zeit, sich auch bei ihren engagierten Ortshistorikern aus der SPD zu informieren oder später auf die Stolpersteinseite zu schauen.

Auf der Ausschuss- und Ratssitzung vom 13./14. Juli, hat niemand aus dem Publikum den demokratischen Vorgang an sich in Frage gestellt, es war der Zweifel an der Kompetenz einiger Politiker*innen. Erfreulich war die Haltung des Bürgermeisters Lars Bierfischer auf der Ratssitzung, der von der Formalie der Fragestellung in der Einwohnerfragestunde absah und dem Unmut Raum gab. So wie das die Ausschußvorsitzende Nicole Reuter schon ein Tag zuvor getan hatte.

Vielleicht hätte es einer Moderation bedurft. Mich hat die Lautheit auf den beiden Ratssitzungen nicht erschreckt, ich habe sie mehr als Ausdruck der jahrzehntelangen generationsübergreifenden Sprachlosigkeit verstanden.

Es ist damit zu rechnen, dass jedweder Ausdruck zu diesem Thema, ob Abwehr, Resignation oder Aggression, auch das Wirken des Leids beinhaltet, dass die NS-Generation uns hinterlassen hat.

Ansonsten haben CDU und SPD für die Einwohner und Gäste keine gute Figur gemacht, weil es den Anschein erweckte, als wollten sie sich in eine Arbeitsgruppe retten, die dann irgendwann nach der Wahl zu einem Ergebnis kommen solle. Hauptsache keine Zustimmung zum Antrag der Grünen. Vielleicht wäre das Thema von Anfang an in einer zivilgesellschaftlichen Initiative besser aufgehoben gewesen.

Das Thema des Lindenbergplatzes droht zwischen die Stühle parteipolitischer Auseinandersetzung zu geraten und es kam mir so vor, dass der eine oder die andere Politikerin mit dem Thema überfordert ist.

Für eine Benennung des Lindenbergplatzes gibt es genügend Informationen, die Verknüpfung mit einer Gedenkstätte für NS-Opfer halte ich für ein falsches Signal.

Ein Lindenbergplatz verknüpft das örtliche, historische und moralische Andenken an eine erfolgreiche jüdische Kaufmanns- und Zahnarztfamilie. Sie hat über 150 Jahre dazu beigetragen, dass der Ort prosperierte. Man kann es nicht oft genug wiederholen.

Der Lindenbergplatz kann für einen Neuanfang stehen und sollte nicht politisch verhackstückt werden.

KPK

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13./14. Juli 2021

Lindenbergplatz abgelehnt,

eine schlechte und eine gute Nachricht!

CDU und SPD blieben bei ihrer anfänglichen Ablehnung des Antrags der Grünen für einen Lindenbergplatz. Eine für viele beschämende Ausschuss- und Ratssitzung.

Im überwältigenden Kontrast dazu eine große Unterstützung durch die Befürworter*innen im Publikum, die nicht mit Kritik zurückgehalten haben.

Das ist die gute Nachricht.

Das Gedenken und Erinnern an die jüdischen Bewohner*innen Vilsens ist lebendig geworden und nicht mehr wegzudenken oder auszugrenzen.

Peter und Vera Henze haben mit ihrem politischen und künstlerischen Statement die Veranstaltung auf ihre Weise belebt.

Die Befürchtung von Herrn Thöle (SPD), dass nach einer Platzbenennung keine weitere Aufarbeitung mehr stattfinden würde, macht einen ratlos. Gerade weil die SPD ja Interesse daran zeigt.

Mit dem Platz vor ihrem ehemaligen Stammhaus wäre die Familie Lindenberg zumindest dem Namen nach wieder ins Ortsleben integriert gewesen.

„Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

KPK

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10. Juli 2021

Heute Morgen ist Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren in Hamburg gestorben.

Esther Bejarano (geboren als Esther Loewy, 15. Dezember 1924 in Saarlouis) war eine deutsch-jüdische Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau. Mit Anita Lasker-Wallfisch und anderen spielte sie im Mädchenorchester von Auschwitz. (wiki)

"Ich verstehe euren Schmerz, ihr den meinen.

Wir leben, leiden und vor allem kämpfen wir zusammen.

Wir sind nicht nur Opfer, sondern wir sind auch Kämpfer gegen das Vergessen und gegen Rassismus". (E.B./ Auschwitz-Kommitee)

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Juli 2021

Lindenbergplatz in Sicht!

Wenn sich am 13. Juli 2021 der Ausschuss für Jugend und Soziales in BV zur Empfehlung für einen Lindenbergplatz aussprechen sollte, dann besteht die Möglichkeit, dass auf der Ratssitzung am 14. Juli 2021 der Platz vor dem Haus, nach der ehemaligen Besitzerfamilie Lindenberg benannt wird. Dessen letzte Besitzer (bis zur Arisierung 1938) in Theresienstadt ermordet worden sind.

Mit 2 Leserbriefen in der Kreiszeitung im Juni 2021 ist das Thema nochmal durchlüftet worden. (siehe Presseseite).

Gegner- und Befürworter*innen meldeten sich daraufhin mit weiteren Leserbriefen zu Wort.

In einem Brief wurde die Selbstverständlichkeit eines Platz- oder Straßennamens nach einer dort ehemals ansässigen jüdischen Familie deutlich benannt, wie das auch in den umliegenden Orten geschehen ist.

Damit wird die Familie in den Alltag der Gemeinde zurückgeholt, nicht nur als Opfer auf Stolpersteinen.

Es ging auch darum, ob ein gebürtiger BVer, der nicht mehr dort wohnt, sich zum Thema äußern dürfe.

Die Lokalreporterin der Kreiszeitung stellte zuvor abschließend fest: "Ihm (KPK) das Recht abzusprechen, sich zu einem lokalen Thema zu äußern, ist nicht nur bei dieser speziellen Thematik bedenklich."

Allerdings hat sie sich auch von ihrem Gefühl zu der Aussage hinreißen lassen, dass meine Texte „nicht selten zynisch“ wären. Gegen Gefühle kann man nicht argumentieren. Da möchte ich nur frei nach einem Zitat von Wolfram p Kastner, dem Münchner Aktionskünstler und väterlichen Unterstützer im Geiste entgegnen: Nicht ich bin zynisch, sondern die Verhältnisse sind es.

Wie 2019/2020, als man in BV die Absicht hatte, die Nachfahren der Familie Lindenberg am Platz vor ihrem ehemaligen Wohn-und Geschäftshaus an der Stolpersteinverlegung für ihre Vorfahren teilnehmen zu lassen. Der selbe Platz, der den Namen des Nutznießers der Arisierung erhalten sollte, vor ihrem Haus, das ihnen 1938 "entwendet" worden ist.

Vielleicht sollten wir uns alle mal locker machen und einen Perspektivwechsel zulassen. Und uns vor Augen führen, dass Emil Lindenberg das Stammhaus der Familie ohne Not niemals verkauft hätte.

Ohne die NS-Zeit wäre das Haus wohl auch heute noch im Besitz der Familie. Alle nachfolgenden Besitzer hatten einen Nutzen der Auswirkungen dieser Zeit. Daraus ergibt sich Verantwortung und der gilt es gerecht zu werden.

Der Lindenbergplatz vor dem "Lindenberghaus", so fühlt es sich richtig an.

Die kurioseste Feststellung in einem der Leserbriefe kam dabei von einem Ortsansässigen, der meinte, sein Vater wäre „zu keiner Zeit in die Nazivergangenheit direkt involviert gewesen, weil er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs seinen Lebensunterhalt unter härtesten Bedingungen in der (…) Landwirtschaft verdingen musste“.

Das klingt so, als hätte die Nazigegenwart damals nur bei den Nachbarn stattgefunden. Und Zwangsarbeiter*innen sind ihm bei seiner harten Landarbeit auch nicht begegnet.

Pimpfe, HJ und Reichsarbeitsdienst waren ideologischer Standard. Hinzu kamen die verschiedensten NS-Parteiorganisationen. Die Landbevölkerung war eine der wichtigsten Stützen Hitlers und der NSDAP, was sich auch in den Wahlergebnissen im Kreis Hoya und Syke deutlich abzeichnete. (siehe nachfolgende Texte)

Eine Suggestivfrage wurde ebenfalls in den medialen Raum gestellt: „Wohin würde das denn führen, wenn für jeden ehemaligen jüdischen Mitbürger eine Straße oder ein Platz benannt werden sollte?“

Bisher hat das in BV niemand gefordert, damit soll wohl populistisch Abwehr erzeugt werden.

Interessant ist auch, wenn am Ende solcher Formulierungen, die Äußernden sich als nicht antisemitisch bezeichnen. Wenn sich das nicht aus der Argumentation ergibt, dann hilft die Selbstbekundung da auch nicht weiter.

Das ist mittlerweile weit verbreitet.

Sollte inzwischen in Deutschland zum Thema Antisemitismus angekommen sein, was sich in den USA im Zusammenhang mit Rassismus schon vollzogen hat: Dass es viel schlimmer ist, als Antisemit bezeichnet zu werden, als einer zu sein?

Die Idee, für jede/n ehemalige/n jüdische/n Mitbürger*in eine Straße oder Platz zu benennen, ist an sich interessant, aber vlt. beginnt man erst mal mit dem „Lindenbergplatz“ und dann schaut man mal, wohin das führt.

Aber es muss auch gesagt werden, dass nicht jeder, der oder die sich gegen einen Lindenbergplatz ausspricht, deshalb per se antisemitisch ist.

Hier geht es um die historische, aber auch um eine moralische Entscheidung und was spräche unter diesen Gesichtspunkten gegen einen Lindenbergplatz, der deshalb nicht Bullenkampplatz heißen konnte?

Es geht nicht um "schlechtes Gewissen" und wiedergutmachen lässt sich das auch nicht, es geht um das Thema „Verantwortung der nachfolgenden Generationen“. Die können wir verdrängen oder wahrnehmen.

Die Familien Klauner und Mewes aus Bruchhausen-Vilsen (Bremen, Brühl) werden deshalb der Gemeinde eine Spende über 700 Euro zur Verfügung stellen. Für eine Infotafel auf dem Lindenbergplatz, zur Erinnerung an das Leben und Wirken der Familie Lindenberg in Bruchhausen-Vilsen.

Heimat ist immer auch da, wo man geboren ist und seine Wurzeln hat, das gilt nicht nur für die damalige Familie Lindenberg.

KPK

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April/Mai 2021

Es tut sich etwas in Bruchhausen-Vilsen!

Die "Bündnis 90/Grünen" haben sich von den Verzöger*innen im Rat abgesetzt und fordern die Benennung des Lindenbergplatzes jetzt anzugehen.

Ein erster Zeitzeuge Heinrich Hauptmann, Jahrgang 1937, meldet sich öffentlich in einem Leserbrief in der Kreiszeitung zu Wort.

Er weist auf die Verdienste der Familie Lindenberg für den Ort hin und fordert den Gemeinderat in einer appelativen Bitte auf, endlich den Platz nach der Familie Lindenberg zu benennen.

Weitere Leserbriefe im Weserkurier und der Kreiszeitung aus der Gemeinde folgen und fordern den Rat auf, den Platz nach der Familie Lindenberg zu benennen. Darunter der Arbeitskreis des VVV, hier in Auszügen:

„Die Benennung des Platzes nach der Familie Lindenberg ist schlüssig. Dafür bedarf es nicht der Einsetzung einer Arbeitsgruppe … . (…)

Die Verknüpfung einer Gedenkstätte für alle Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Platzbenennung ist abwegig, weil das Schicksal der Juden hinreichend erforscht und mithin bekannt ist. (…)

In der Bevölkerung dürfte der Wunsch nach dem Lindenbergplatz als logische Abrundung der Stolperstein-Aktion auf breite Zustimmung stoßen, und durch baldige Umsetzung dieses Vorhabens wäre es auch kein Wahlkampfthema mehr. (…)“

Soweit der Arbeitskreis: Dieter Borcherding, Wilfried Müller, Peter Schmidt-Bormann und Hermann Störing.

Ich bin froh, dass das Engagement Früchte trägt und sie sichtbar werden.

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Erinnerungskultur Februar 2021

Ein Jahr ist vergangen, seit der Rücknahme der Platzbenennung für den „Ariseur“ des Lindenbergschen Hauses in Bruchhausen-Vilsen. Niemand hat bisher Verantwortung für diese historische und moralische Gedankenlosigkeit der erst vor zwei Jahren vorgenommenen Namensgebung übernommen.                                                       Die Chance, es richtig gut zu machen und den Platz nach der dort ehemals ansässigen jüdischen Familie Lindenberg direkt umzubenennen, ist vertan worden. Die vollmundigen und auch trotzigen Bekundungen zum Lindenbergplatz sind längst verhallt.

Eine Bedingung nach der anderen wurde seither aufgestellt. Erst sollten die Stolpersteine in den Boden, so die Grünen, was jetzt 8 Monate her ist. Nun heißt es, erst müsse eine „Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus“ erstellt werden, bevor man sich mit dem „Lindenbergplatz“ befassen würde.

Ich frage mich manchmal, wenn ich mir die Vorgänge um diese Namensgebung anschaue, ob die Gemeinderatsmitglieder wirklich verstanden haben, welche Verantwortung sie da tragen. Sie scheinen kein Problem damit zu haben, dass "gefallene" Soldaten des 2. Weltkriegs, die den Holocaust in dem Ausmaße erst möglich gemacht haben, dort seit den 50er Jahren gewürdigt werden, aber ihre Opfer bis heute auf eine Platzbenennung warten müssen.

Hier sind die Bürger*innen des Ortes genauso gefragt wie ihre Ratsvertreter*innen.   

Aber es geht nicht nur um eine opferzentrierte Erinnerungspolitik, sondern auch um eine Aufarbeitung der Täterseite. Die Ergebnisse von MEMO III verdeutlichen erneut, dass in deutschen Familien vor allem Berichte über die Opfer- und Helferschaft der eigenen Vorfahren an die folgenden Generationen weitergegeben werden, während von Täterschaft nur selten berichtet wird. Nach der Studie glauben mittlerweile über die Hälfte der Befragten, dass ihre Familienangehörigen keine Mitläufer*innen waren, so manche sich sogar im Widerstand befunden hätten.

Zwei Drittel wissen nichts über die Geschichte ihres aktuellen Wohnortes während der NS-Zeit. Es gibt kaum noch Bezug zur Verstrickung der eigenen Familie und damit öffnen sich die Türen für antisemitische Gedankenlosigkeit und rechten Populismus.

In Bruchhausen-Vilsen haben Enkelkinder der ehemaligen Nazigrößen im Ort begonnen, der jüdischen Familien zu gedenken, aber wie steht es mit der Aufarbeitung der familiären Täteranteile? Sich dem zu öffnen, könnte Wegweiser für die junge Generation sein.                                                                                                           In der Rede des Bürgermeisters zur Stolpersteinverlegung, in der er bedauerte, dass keine Familienangehörigen der Beteiligten aufgrund der Corona-Pandemie anwesend sein konnten, beschreibt er die opferzentrierte Sichtweise. Man kann davon ausgehen, dass alle dort Anwesenden Familienangehörige von Beteiligten waren. Die NS-Zeit nur vom Ende her anzuschauen, mit den Stolperstein-Opfern, trägt nicht unbedingt zum Verständnis der Nationalsozialistischen Anfänge im Ort bei.

Dass jetzt jüdische Geschichte anhand der Stolpersteine in BV vermittelt werden soll, ist erfreulich, wenn auch eine längst überfällige Maßnahme, mit der die Vergangenheit beschrieben wird.                                                                                              Dass die Wahrnehmung des jüdischen Erbes nicht in Form der Platzbenennung erfolgt, erscheint wie eine Verdrängung in der Gegenwart.

KPK

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1. November 2020

Aus dem Engagement für den „Lindenbergplatz“ hat sich eine „Initiative zur Umgestaltung der Kriegerdenkmäler“ entwickelt.

kriegerdenkmal.org

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25. Juni 2020

Die ersten Stolpersteine sind in Bruchhausen-Vilsen verlegt.

Am „Lindenbergplatz“, an der Bahnhofstrasse 53, sind die Steine für Richard und Jenny Lindenberg verlegt worden. Allerdings nicht vor dem Hauseingang ihrer ehemaligen Heimstätte, wie sonst üblich. Eigentlich wollten sie hier in BV alt werden und auf dem Friedhof in Hoyerhagen ihre letzte Ruhestätte finden, neben seinen Eltern. Wie wir mittlerweile wissen ist es anders gekommen.

Was hier fehlt, sind die Stolpersteine der Familie Salomon. Es war immerhin ihre 1934 zuletzt gewählte Wohnung in BV. Auch ihr Schuhgeschäft haben sie hier weiterhin betrieben, trotz offiziellem Aufruf zum Boykott. Die Kunden nutzten die günstigen Preise des unter Verkaufsdruck geratenen Kaufmanns. Eingekauft wurde durch die Hintertür zur Kirche hin, wie eine Augenzeugin berichtet.

Ihre Wohnung in der Brautstraße wurde ihnen 1934 gekündigt, weil sie keine Miete mehr bezahlten. Mit Recht, denn die ebenfalls jüdische Besitzerin Clara Meyer, die mittlerweile in Stadtoldendorf lebte, ließ keine Reparaturen mehr an dem Haus vornehmen. Wahrscheinlich waren beide Seiten durch die NS-Realität in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Sie verkaufte an Otto Ernst und war damit gleich zwei Probleme los, das marode Haus und die Auseinandersetzung mit dem Mieter. Otto Ernst konnte nach dem Krieg vor dem WgA (Wiedergutmachungsamt) mit von ihm bezahlten umfangreichen Handwerkerleistungen glaubhaft machen, dass das Gebäude marode war, und dass er 1934 damit einen angemessenen Preis gezahlt hatte.

Salomons haben ihre letzte Heimstätte in BV an der Bahnhofstrasse verloren - im Haus von Emil Lindenberg - nachdem Heinrich Bullenkamp das Haus im Sept./Okt. 1938 „günstig“ erworben hatte. Ihnen wird gekündigt und sie ziehen nach Hoya.

Heinrich Bullenkamp stirbt 1946, sein Sohn Ferdinand wird Erbe, auch mit der Verantwortung um das Haus. Wird er dieser gerecht? Er schreibt Gertrud Gilbert, der Tochter und Erbin von Emil und Margarete Lindenberg und fordert sie 1949 auf, vor dem WgA in Verden auf eine Nachzahlung für das Haus zu verzichten. In dem Schreiben datiert er den Kauf um ein Jahr vor und mit der Höhe des Kaufpreises nimmt er es auch nicht so genau. Und das in einem Papier, das in seine WgA-Akte wandert. Der Mann hatte Chuzpe.

Kann man nur hoffen, dass der neue Besitzer die Verantwortung erkennt und „Ferdinand Bullenkamp“ nicht über der Familie Lindenberg thronen lässt, wenn auch nur als Namenszug auf dem ehemaligen Lindenberghaus, hoch über den Stolpersteinen am „Lindenbergplatz“.

Es geht um die Wahrnehmung der NS-Zeit, deren deutsche menschenverachtende Grundhaltung in der logischen Konsequenz des 2. WKs endete. Kein daran beteiligter Täter sollte geehrt werden, das muss Konsens sein.

Der Stolpersteintext für Gertrud Gilbert, geb. Lindenberg ist irritierend: „Mit Hilfe Flucht 1933 USA“, wenn man bedenkt, dass Gertrud 1935 zurückkehrte nach B.-V.!

Flüchten mussten 1933 die Sozialisten und Kommunisten. Die jüdische Bevölkerung musste erst noch aus den sozialen Strukturen herausgelöst werden. Durch Mobbing, wie man heute sagen würde, durch Gesetze und später durch körperliche Übergriffe. Die letzte "Warnung" zur Ausreise kam im November 1938.

Weiteres zu Gertrud im nachfolgenden Text in: SICH NEU ERINNERN.

Und was macht die Gemeinde, der Gemeinderat? Immerhin können sie stolz auf sich sein, haben sie doch die Stolpersteinverlegung unterstützt und die Benennung des "Bullenkampplatzes" zurückgenommen - jetzt könnten sie „reinen Tisch“ machen mit der braunen Vergangenheit von BV. Der „Lindenbergplatz“ bietet sich dafür an.

Die umfangreich recherchierten „Stolpersteine Bruchhausen-Vilsen“ sind unter dem Link http://stolpersteine-brv.org/ zu finden.

KPK

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8. Mai 1945/2020

75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges!

Das ist ein wichtiger Zeitpunkt, um an weitere schwere Menschenrechtsverletzungen dieses Krieges zu erinnern. Dazu zählten auch Vergewaltigungen von Millionen von Frauen. Die Täter waren ebenso Angehörige von Wehrmacht und SS auf deutscher Seite wie Soldaten der alliierten Streitkräfte.

Für medica mondiale ist dieser Jahrestag Anlass, mit der Kampagne „Niemals nur Geschichte. Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt“ auf die zahlreichen Kriegsvergewaltigungen aufmerksam zu machen.

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Corona                                                                                                               7. April 2020

Die Welt in der Krise.                                                                                            

Wer hätte gedacht, dass so ein winziges Teilchen alles durcheinander werfen wird.

Selbst das Wort Solidarität wird neu erinnert.

Welche Lehren werden aus dieser Krisenzeit später einmal gezogen?

Eins steht jetzt schon fest, unsere zunehmend geplanten Rüstungsankäufe und Rüstungsexporte sind nicht hilfreich ... für nichts.

2019 gaben alle Natoländer gemeinsam mehr als 1000 Milliarden Dollar für ihr Militär aus, das sind über 1000 Dollar pro Kopf. Deutschland allein 49,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 10%. Russland 65 Milliarden, soviel zum Thema "Gefahr aus dem Osten". (SIPRI)

Wir verfolgen mit unseren finanziellen Ressourcen einen rücksichtslosen Aufrüstungskurs, auch um unseren ökonomischen Einfluß abzusichern. Um den Hunger in der Welt zu beseitigen, benötigte es lediglich einen Bruchteil davon, das ist lebensverachtend.

In  den Texten des sich erinnerns geht es um das Erinnern einer Zeit, in der die Verachtung des Lebens zum Ideal erhoben worden war.

Deutschland, Bruchhausen-Vilsen zwischen 1933 und 1945.

Klaus-Peter Klauner